Vom Raubtier zum Kuscheltiger

Heutzutage sind Katzen Haustiere zum Kuscheln und Liebhaben. Aber wussten Sie, dass ihre Zähmung hauptsächlich den Ägyptern verdanken ist? Und dass Tiger, Löwe und Leopard zur gleichen Familie gehören? Entdecken Sie mit uns die abenteuerliche Geschichte der Katze und erfahren Sie, wie aus einer wilden Kleinkatze ein liebenswerter Kuscheltiger wurde.

Die Vorfahren der Hauskatze

Beginnen wir bei der Abstammung der Hauskatze. Diese wird wilden Kleinkatzen zugeschrieben. Aufgrund der unterschiedlichen Verbreitungsgebiete haben sich von dieser Spezies weltweit neun Unterarten herausgebildet.

Drei davon galten lange Zeit als Ahnen unserer Hauskatze:

  1. 1. europäische Wildkatzen
  2. 2. afrikanische Falbkatzen
  3. 3. asiatische Steppenkatzen

 

Die europäische Wildkatze, auch Waldkatze genannt, ist in deutschen Wäldern nur noch selten anzutreffen und steht unter Naturschutz. Ihr Körperbau ist stämmiger und gedrungener als der unserer Hauskatze, das Fell hat eine gelblich-graue, von dunklen Streifen durchzogene Färbung und ihr Schwanz ist kürzer und dicker. Diese Wildkatzen gelten als ausgesprochen scheu und lassen sich kaum an menschliche Nähe gewöhnen.

Anders verhält es sich mit der afrikanischen Falbkatze, die im frühen Mittelalter von Afrika nach Europa gelangte. Sie hält sich in der unmittelbaren Umgebung menschlicher Siedlungen auf und kann handzahm werden. Auch ihr optisches Erscheinungsbild hat mit dem unserer Hauskatze vieles gemeinsam: Mit ihrem kleinen, schlanken Körper, der getigerten Fellstruktur und dem langen Schwanz sieht sie manchem Stubentiger zum Verwechseln ähnlich.

Die asiatische Steppenkatze bewohnt hauptsächlich die trockenen Busch- und Grasgebiete Asiens und hat ein dichtes, sandfarbenes Fell.

Afrikanische Wildkatze als direkter Vorfahre

Die afrikanische Wildkatze Felis silvestris libyca ist der ursprüngliche Vorfahre der Hauskatze. Sie ist nur wenig größer als unsere Katze und lebt in ihrer Heimat immer noch in enger Nachbarschaft mit Menschen. Als sich die domestizierte Form verbreitete, kam es wahrscheinlich in verschiedenen Gebieten zu Kreuzungen mit heimischen Wildkatzenrassen, die in unterschiedlichem Maße an der Entstehung der modernen Hauskatze beteiligt waren. Die europäische Tigerkatze vereint in ihrem Fellmuster die Charakteristika der europäischen und der afrikanischen Wildkatze. Das gefleckte Fell einiger Hauskatzen in Indien verrät die Abstammung von asiatischen Subspezies.

Mit diesem Stammbaum darf es uns daher nicht wundern, dass selbst die zarteste Schmusekatze Wildkatzenblut in sich trägt und gerade das macht ja auch ihre Faszination aus. Hier sind die wichtigsten Verhaltensmerkmale, die an ihre Vorfahren erinnern:

Die Jägerin und ihre Körperpflege

Wie ihre wilden Ahnen hat die afrikanische Wildkatze einen Hang zu ausgiebiger Körperpflege und bevorzugt den ungehinderten Blick über ihr Revier. Dass sich auch Hauskatzen in der Wohnung gern auf erhöhten Beobachtungsposten wie der Fensterbank oder dem obersten Plateau ihres Kratzbaumes niederlassen und draußen das Dach oder eine Mauer zu ihrem Lieblingsplatz auserkoren, ist auf ihre Eigenschaft als Jägerin zurückzuführen.

Hunger stillen und lange schlafen

Auch die langen Schlaf- und Erholungsphasen, etwa nach dem Spielen oder Fressen, sind für alle Katzenarten typisch. Hat unser kleiner Tiger seinen Hunger gestillt, kann ihn vorläufig nichts aus der Ruhe bringen. Ein satter Gepard würde sich auch nicht auf die Lauer legen, wenn eine Herde Antilopen vorbeizieht. Er ruht oder schläft, bis die letzte Mahlzeit verdaut ist, um erst dann wieder aktiv zu werden.

Katzen sind gern alleine unterwegs

Und auch das Einzelgängertum trifft auf unsere Hauskatze zu. Wenngleich sie uns hin und wieder ihre Aufmerksamkeit schenkt, gestreichelt oder zum Spiel animiert werden möchte, hat ihre Geselligkeit Grenzen. Hat sie genug, wendet sie sich ab. Denn obwohl sie zutraulich ist, steckt in unserer Katze doch ein kleiner Tiger.
Sehen wir uns nun die Verwandtschaft der Katze an, die einmal mehr deutlich macht, dass die Katze aus der Familie der Raubtiere stammt.

Die große Katzenfamilie

Die Verwandtschaft unserer Hauskatze kann sich sehen lassen: Zu den prominenten Mitgliedern ihrer Großfamilie zählen nämlich Tiger, Löwe, Leopard, Jaguar und Panther. Unabhängig von ihrer Größe und ihrem Lebensraum werden alle Katzenartigen der zoologischen Gruppe der Landraubtiere zugeordnet – so auch unser Stubentiger.

Diese Zugehörigkeit kann auch die anschmiegsamste Samtpfote nicht leugnen. Denn viele ihrer Eigenschaften und körperlichen Merkmale finden sich auch bei ihren großtatzigen Verwandten wieder:

  • Auf den ersten Blick sehen sich Männchen und Weibchen bei allen Katzenartigen zum Verwechseln ähnlich. Einzige Ausnahme ist der Löwe, der sich mit seiner Mähne deutlich von der Löwin unterscheidet.
  • Alle Katzen haben 38 Chromosomen, besitzen die Fähigkeit, ihre Krallen einzuziehen, bewegen sich lautlos auf ihren gepolsterten Ballen, haben die Eigenschaft, sich ausgiebig zu putzen und verständigen sich durch Schnurren und Fauchen. Lediglich das „Miau" unserer Hauskatze äußert sich bei Großkatzen in lautstarkem Gebrüll.
  • Mit Ausnahme der Löwen, die in Rudeln leben, sind alle KatzenartigenEinzelgänger" und – was ihr Wesen ganz besonders prägt – sie jagen auch allein.

Von der Domestizierung zur Zähmung

Wie aber wurde nun die Katze mit all ihren Raubtiergenen domestiziert und gezähmt? Katzen wurden viel später domestiziert als Hunde – erst als die Ackerbaukultur entstand und im fruchtbaren Nahen Osten zu einer blühenden Kultur führte.

Häuser, Scheunen und Kornspeicher bildeten eine neue Nische im zur Verfügung stehenden Lebensraum. Sie wurden rasch von der bevorzugten Beute kleiner Wildkatzen, also von Mäusen und anderen Kleinsäugern genutzt. Die Katze hatte also Nahrung im Übermaß und half dabei, die lästigen Nager unter Kontrolle zu halten. Schon in dieser Zeit hat sich also ein gegenseitiger Nutzen ergeben. Wie Wölfe wurden die gelehrigeren Exemplare dieser Wildkatzen allmählich in die menschliche Gesellschaft integriert. Auf diese Weise bildete sich eine Population halb zahmer Katzen.

In Ägypten unter göttlichem Schutz

Die Zähmung der Katze wird weitgehend den Ägyptern zugeschrieben, die wohl vor etwa 4000 Jahren damit begonnen haben. Erste Beweise für ein friedliches Zusammenleben wurden allerdings in Teilen Arabiens gefunden. Zeichnungen und Bilder zeigten Mensch und Tier gemeinsam. Diese Aufzeichnungen sprechen für eine fortgeschrittene Domestikation und das Zähmen der Katze, die damit zu einem Haustier und Freund des Menschen wurde.

Menschen in Arabien und auch Ägypten erkannten wahrscheinlich auch als Erste den Wert der Katzen als natürliche Feinde von Ungeziefer wie Nagetieren, Schlangen und anderen giftigen Reptilien. Katzen hatten deshalb in ihrer Kultur große religiöse Bedeutung und wurden als Personifizierung der Gottheit Bastet und damit als religiöses Kultobjekt angesehen.

Daher wurde für Katzen in menschlicher Obhut auch sehr gut gesorgt und viele von ihnen wurden als Kultobjekte wie Haustiere gehalten. Da sie unter göttlichem Schutz standen, konnte man für die Tötung einer Katze im alten Ägypten zum Tode verurteilt werden. Die Ägypter beschränkten allerdings die Ausbreitung der Katzen in andere Länder, indem sie den Export verboten.

Warum Katzen Katzen heißen

Ihren Weg nach Europa, Asien und Amerika fand der Vorfahre der Hauskatze schließlich über Schmuggeltransporte. Anfänglich verbreitete sich die Katze rund um das Mittelmeer. Die Römer gewährten den Mäusejägern Schutz in ihren Häusern und sind auch Namensgeber der Katze: Aus dem lateinischen Wort „Gatta“ wurde erst das französische „Chat“, was wiederum zum englischen „Cat“ wurde. Daraus leitete sich das deutsche Wort „Katze“ ab.

Katzen-Dämonen in Europa

Im frühen Mittelalter wandelte schließlich sich das hohe Ansehen der Katze. Vor allem in Europa sagte man Katzen plötzlich dämonische Züge nach, und der einstige Glücksbringer wurde zum Verbreiter des Bösen. Heute noch sind die Auswirkungen spürbar – insbesondere bei schwarzen Katzen. Diese wurden über lange Zeit hinweg als Boten von Pest und Gefährten von Hexen betrachtet. Häufig wurden sie getötet und fast ausgerottet. Heute findet man kaum noch Katzen mit völlig schwarzem Fell.

Erste Züchtungen zur Hauskatze

Erst mit der industriellen Revolution, vor etwa 250 Jahren stiegen Katzen allmählich zu ihrer heutigen Position auf. Ab diesem Zeitpunkt wurden Katzen gezüchtet und als Haustiere gehalten - nicht mehr zum reinen Nutzen, sondern auch zur Freude ihrer Besitzer.

Trotz des engen Zusammenlebens mit den Menschen haben sich Katzen ein hohes Maß an Selbstständigkeit bewahrt und sind nicht zwingend an sie gebunden.

Da die Katzen in aller Welt mit sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen konfrontiert wurden, konnten geographisch voneinander getrennte Populationen bestimmte Merkmale entwickeln, die sich von denen anderer Katzen unterschieden.

Die modernen Katzenrassen entstanden jedoch durch selektive Zucht, die erst in den letzten 150 Jahren populär geworden ist. Daraus entstanden viele verschiedene Arten von Kuscheltigern – wovon sich wahrscheinlich auch bei Ihnen zuhause gerade einer genussvoll verwöhnen lässt. :)